Malin Schwerdtfeger
Gin FizzMachandel, Wacholder, Kranewitt. Jurek saß Tag und Nacht im großen Zimmer und arbeitete. Linda hatte nichts zu tun und spielte die gute Hausfrau, mit einem Schuss Zelda Fitzgerald, das heißt, sie machte Jurek das Leben angenehm, während er schrieb. Da wir hier von Jurek sprechen, bestand die Annehmlichkeit vor allem darin, dass Linda ihm Gin und Tonics mixte. Jurek verlangte es bei der Arbeit nach Klarheit, und deshalb brauchte er Gin, ein besonders luzides Getränk. Wenn es so war, dass der Gin Klarheit in Jureks Kopf brachte, war Jurek bei klarem Verstand offenbar erst recht launisch und unausstehlich. Sein Atem roch nach Wacholder. Er beobachtete Linda. Manchmal wünschte Linda, Jurek würde etwas anderes als Gin und Tonic trinken, etwas Undurchsichtigeres, zum Beispiel Whiskey mit irgendetwas. Aber er trank nur Gin. Er schaute Linda an, mit Augen wie Wacholderbeeren, schwarz, ein kleines Fadenkreuz in der Mitte. Er beobachtete sie, während er arbeitete und trank. Linda kam es vor, als wären Jurek vom vielen Gin sogar im Hinterkopf Augen gewachsen, denn er bemerkte alles. "Warum sind Frauen morgens immer so unkenntlich?", fragte er plötzlich, "nur wenn sie sich dann genauso schminken wie am Abend vorher, erkennt man sie wieder." Oder: "Was hat das Püppchen denn nun wieder fallen lassen?" Und wenn Linda dann wütend mit dem Fuß aufstampfte, rief er: "Püppchen, sei nicht sauer!" und dehnte das "ü" von "Püppchen", bis es wie "Pöppchen" klang.
Linda konnte Jurek nicht verlassen. Jurek hatte bereits ein Netz von Theorien, die sie beide betrafen, über sich und Linda geworfen. Überhaupt konnte Linda niemanden verlassen. Sie sah zu, wie Jurek trank. Er trank vorsichtig, als schlucke er flüssiges Glas, und dabei beobachtete er Linda aus den Augenwinkeln. "Der Teufel trinkt Gin Tonic", dachte sie, und da Jurek nichts anderes trank als Gin, fing sie an, ihm Gin Fizz zu mixen, dessen gelbliche Schlierigkeit Jureks Sinne vielleicht trüben würde. Es half nichts. Linda wünschte Jurek blind, taub und stumm, vor allem blind. Sie ging in die Kirche und betete zur Heiligen Anna, der Schutzpatronin der Blinden, und in der Nacht träumte sie, dass die Heilige Anna käme, um Linda zu helfen, aber dann öffnete Anna nur höhnisch lächelnd ihre Faust und zeigte die drei Wacholderbeeren, die sie darin trug. Gin macht hellsichtig. Jurek fing an, Linda auf den Kopf zuzusagen, wo sie gewesen war, und zu prophezeihen, wo sie hingehen würde. Meist lag er richtig, manchmal lag er falsch, zum Beispiel, wenn er grinsend behauptete, Linda würde ihn betrügen. Dann konnte Linda schlecht das Gegenteil beweisen, denn sonst sagte er ja immer die Wahrheit. Manchmal wünschte Linda, Jurek wäre tot. Sie würde ihn ermorden, zerhacken und verscharren. Aber dann, fürchtete sie, würde Jureks Seele aus der Erde einfach in den Stamm eines Wacholderstrauches fahren, hinaufrasen und oben in Gestalt eines Vogels aus dem Geäst flattern wie im Märchen vom Machandelboom. Sie sah Jurek an und wusste, dass sie ihn weder zerhacken noch verlassen konnte. "Kiwitt, kiwitt", sagte Jurek.
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5 cl Gin
4 cl Zitronensaft
 1 cl Zuckersirup
 1 Barlöffel Puderzucker
topping Soda

 
Jim Avingon