Thomas Lang
Hansi K. sitzt seit Stunden mit seinem
neuen Bekannten Wim am Tresen einer Frankfurter Bar und erzählt von
seinem Urlaub. Es gibt kein Bier mehr. Wim hat zwei Cocktails bestellt.
"- jedenfalls war sie plötzlich weg. Ich dachte, sie ist rausgegangen, sich abkühlen. War aber Quatsch. Draußen war's mindestens genauso heiß. Margi hat den ganzen Urlaub deshalb geschimpft. Sie hat gesagt, sie will nie wieder auf Curaçao fahren. Es ist zu heiß, hat sie gesagt. Und nachher, wie ich mit zwei neuen Flaschen vom Kühlschrank zurückkomm, ist sie weg. Ich denk, sie ist ins Bett gegangen, aber da ist sie nicht. Die Biere hatte ich schon aufgemacht. Vielleicht ist ihr auch schlecht und sie sitzt aufm Klo, habe ich gedacht. Margi war schon seit um drei am Trinken." Hansi senkt die Stimme. "An dem Tag haben wir Siesta gemacht. Ich dachte, jetzt lässt sie mich endlich mal …, weißt du? - Wir hatten doch den ganzen Urlaub über noch nicht ein Mal gevögelt. Aber nix wars. Mir ist zu heiß, mir ist zu heiß, mir ist zu heiß. Ich weiß nicht, ob sie in dem Urlaub überhaupt was anderes gesagt hat. - Dabei hat sie gut ausgeschaut, die Margi, so - na, das hab ich dir ja schon erzählt. Und ich arme Sau war geil, ich war so geil -. Je heißer das geworden ist, desto mehr bin ich geil geworden. Aber durfte sie nicht mal anfassen." Wieder lauter. "Die Margi wollte sowieso immer nur aufm Zimmer sein. Dann hat sie unterm Ventilator gesessen und an die Wand gestarrt oder sich angezogen in die Badewanne gelegt. Ich geh in die Bar, hab ich ins Bad gerufen, oder: Ich geh heute mal mit zum Strand. Keine Reaktion. Nachher hatte ich die Nase so voll, da bin ich wirklich in die Bar gegangen." Hansi zieht den Kamm aus seiner Hosentasche und kämmt einmal durch. "Ich hab mich an den Tresen gesetzt - das war alles so mit Bambus - richtig toll. Da war sie keine fünf Minuten später auch unten. Hat sich neben mich gestellt und mein Bier ausgetrunken. Bestell dir doch selbst eins, hab ich zu ihr gesagt. Wollte sie aber nicht. Komm mit mir hoch, hat sie gesagt. Also aufs Zimmer. Und dabei so gemacht." Hansi fährt Wim mit der Hand über den Oberschenkel. Wim hebt den Kopf und starrt Hansi an. "Jetzt, hab ich gedacht, endlich. Aber nix. Als wir wieder oben waren, hat sie getobt. Ich wollte sie betrügen, ich würde mit anderen Mädchen rummachen und so. Dabei war überhaupt nix gewesen. Ich mach so was nicht." Der Barkeeper stellt zwei Gläser vor die beiden auf die Bar. Hansis Hand rutscht von Wims Bein. "Das sollen wir trinken? Was istn das da außen rum?" Hansi dreht das Glas am Stiel, lässt es aber stehen. Er beobachtet genau, wie Wim trinkt. "Also damals nachts, denk ich irgendwann: komisch. So lange ist doch keiner aufm Klo. Ich ruf nach ihr. Nix. Ich geh nachsehen. Die war ja so besoffen, die hätte glatt aufm Klo einschlafen können. Aber sie war nirgends. Niemand mehr da außer mir und Heineken. Also gut, denk ich, lass sie. Die kommt schon wieder. Kam aber nicht. Halbe Stunde, Stunde - nix. Irgendwann wird mir das komisch. Ich mach ihre Flasche leer, ohne dass ich es überhaupt merke. Die kommt nicht zurück. Ich will sie suchen gehen, aber ich bin von dem Scheißbier so müde, dass ich einschlaf. In so einem Bambussessel hab ich gepennt. Am nächsten Morgen hat mir alles weh getan. Und Margi ist immer noch nicht zurück. Gut, denk ich, nach dem Frühstück suchst du sie." Hansi hält sein Glas vor die Lampe über der Bar und schaut durch. "Wie ich vor die Tür komm, seh ich schon die Ambulanz. Ich denk gleich: Es ist was mit Margi. Und so wars. Sie haben sie in einer von diesen Kühltruhen gefunden, weißt du. Die Amis haben so was auch. Einfach eine Wanne voll Eis, an der Tankstelle oder so. Stehen da offen rum. In so was muss sie gelegen haben. Richtig drin, wie in der Badewanne. Als ich hinkam, haben sie sie schon auf der Bahre gehabt. In Goldfolie eingewickelt. Angeblich war sie von der Unterkühlung bewusstlos. Jede Wette, die hat da ihren Rausch ausgeschlafen. Mann, ich hab mich richtig erschreckt." Hansi trinkt. Er setzt schnell wieder ab und verzieht den Mund. "Fiii, was istn das? Das schmeckt ja salzig. Ich dachte, das wär Zucker da außen rum. - Die muss gedacht haben, sie kann sich endlich mal abkühlen. Oder sie ist im Suff einfach reingefallen. Hats übertrieben, die Margi. Den Rest vom Urlaub musste sie in der Klinik bleiben und ab da -"
"- jedenfalls war sie plötzlich weg. Ich dachte, sie ist rausgegangen, sich abkühlen. War aber Quatsch. Draußen war's mindestens genauso heiß. Margi hat den ganzen Urlaub deshalb geschimpft. Sie hat gesagt, sie will nie wieder auf Curaçao fahren. Es ist zu heiß, hat sie gesagt. Und nachher, wie ich mit zwei neuen Flaschen vom Kühlschrank zurückkomm, ist sie weg. Ich denk, sie ist ins Bett gegangen, aber da ist sie nicht. Die Biere hatte ich schon aufgemacht. Vielleicht ist ihr auch schlecht und sie sitzt aufm Klo, habe ich gedacht. Margi war schon seit um drei am Trinken." Hansi senkt die Stimme. "An dem Tag haben wir Siesta gemacht. Ich dachte, jetzt lässt sie mich endlich mal …, weißt du? - Wir hatten doch den ganzen Urlaub über noch nicht ein Mal gevögelt. Aber nix wars. Mir ist zu heiß, mir ist zu heiß, mir ist zu heiß. Ich weiß nicht, ob sie in dem Urlaub überhaupt was anderes gesagt hat. - Dabei hat sie gut ausgeschaut, die Margi, so - na, das hab ich dir ja schon erzählt. Und ich arme Sau war geil, ich war so geil -. Je heißer das geworden ist, desto mehr bin ich geil geworden. Aber durfte sie nicht mal anfassen." Wieder lauter. "Die Margi wollte sowieso immer nur aufm Zimmer sein. Dann hat sie unterm Ventilator gesessen und an die Wand gestarrt oder sich angezogen in die Badewanne gelegt. Ich geh in die Bar, hab ich ins Bad gerufen, oder: Ich geh heute mal mit zum Strand. Keine Reaktion. Nachher hatte ich die Nase so voll, da bin ich wirklich in die Bar gegangen." Hansi zieht den Kamm aus seiner Hosentasche und kämmt einmal durch. "Ich hab mich an den Tresen gesetzt - das war alles so mit Bambus - richtig toll. Da war sie keine fünf Minuten später auch unten. Hat sich neben mich gestellt und mein Bier ausgetrunken. Bestell dir doch selbst eins, hab ich zu ihr gesagt. Wollte sie aber nicht. Komm mit mir hoch, hat sie gesagt. Also aufs Zimmer. Und dabei so gemacht." Hansi fährt Wim mit der Hand über den Oberschenkel. Wim hebt den Kopf und starrt Hansi an. "Jetzt, hab ich gedacht, endlich. Aber nix. Als wir wieder oben waren, hat sie getobt. Ich wollte sie betrügen, ich würde mit anderen Mädchen rummachen und so. Dabei war überhaupt nix gewesen. Ich mach so was nicht." Der Barkeeper stellt zwei Gläser vor die beiden auf die Bar. Hansis Hand rutscht von Wims Bein. "Das sollen wir trinken? Was istn das da außen rum?" Hansi dreht das Glas am Stiel, lässt es aber stehen. Er beobachtet genau, wie Wim trinkt. "Also damals nachts, denk ich irgendwann: komisch. So lange ist doch keiner aufm Klo. Ich ruf nach ihr. Nix. Ich geh nachsehen. Die war ja so besoffen, die hätte glatt aufm Klo einschlafen können. Aber sie war nirgends. Niemand mehr da außer mir und Heineken. Also gut, denk ich, lass sie. Die kommt schon wieder. Kam aber nicht. Halbe Stunde, Stunde - nix. Irgendwann wird mir das komisch. Ich mach ihre Flasche leer, ohne dass ich es überhaupt merke. Die kommt nicht zurück. Ich will sie suchen gehen, aber ich bin von dem Scheißbier so müde, dass ich einschlaf. In so einem Bambussessel hab ich gepennt. Am nächsten Morgen hat mir alles weh getan. Und Margi ist immer noch nicht zurück. Gut, denk ich, nach dem Frühstück suchst du sie." Hansi hält sein Glas vor die Lampe über der Bar und schaut durch. "Wie ich vor die Tür komm, seh ich schon die Ambulanz. Ich denk gleich: Es ist was mit Margi. Und so wars. Sie haben sie in einer von diesen Kühltruhen gefunden, weißt du. Die Amis haben so was auch. Einfach eine Wanne voll Eis, an der Tankstelle oder so. Stehen da offen rum. In so was muss sie gelegen haben. Richtig drin, wie in der Badewanne. Als ich hinkam, haben sie sie schon auf der Bahre gehabt. In Goldfolie eingewickelt. Angeblich war sie von der Unterkühlung bewusstlos. Jede Wette, die hat da ihren Rausch ausgeschlafen. Mann, ich hab mich richtig erschreckt." Hansi trinkt. Er setzt schnell wieder ab und verzieht den Mund. "Fiii, was istn das? Das schmeckt ja salzig. Ich dachte, das wär Zucker da außen rum. - Die muss gedacht haben, sie kann sich endlich mal abkühlen. Oder sie ist im Suff einfach reingefallen. Hats übertrieben, die Margi. Den Rest vom Urlaub musste sie in der Klinik bleiben und ab da -"
6 cl Tequila
3 cl Triple Sec
3 cl Zitronensaft
1 Barlöffel Puderzucker

Inge H. Schmidt